Eine bunte Musik-Collage im Retro-Schnittmuster-Stil / Mixed-Media- und Punk-Zine-Stil mit drei Frauenporträts aus Zeitungspapier, schwebenden Vinyl-Schallplatten und Noten sowie den Schriftzügen VOICES und FLINTA* revolution in sound.

FLINTA Vinyl im Spotlight: ein Rundgang durch die Geschichte

Es gibt Plattenregale, die Geschichten erzählen. Dieser Artikel ist die Basis unserer FLINTA Vinyl Auswahl: eine Handvoll Künstlerinnen aus Soul, Punk und Electronic, die bei uns immer wieder auf dem Teller landen und die vielleicht auch schon in deinem Regal stehen?

Bei From Her Crate fragen wir uns regelmäßig: Wessen Stimmen füllen eigentlich unsere Regale? Die Antwort ist meistens: viel mehr Frauen und FLINTA Künstlerinnen als die Plattenläden dieser Welt vermuten lassen würden.

Dieser Guide ist kein Ranking. Es ist ein Rundgang durch das, was uns bewegt, kuratiert und inspiriert. Mit konkreten Platten, konkreten Namen und der ehrlichen Überzeugung, dass diese Musik schon viel länger in deinem Regal hätte stehen sollen.

Soul, Funk und das Fundament

Soul und Funk der Sechziger und Siebziger wäre ohne FLINTA Künstlerinnen schlicht nicht denkbar. Trotzdem stehen in vielen Sammlungen drei Marvin Gaye Platten für jede einzelne von Aretha Franklin. Das ist keine Kritik. Es ist eine Einladung.

I Never Loved a Man the Way I Love You von 1967 ist der tiefere Einstieg, weit jenseits von “Respect”. Betty Davis ist das radikale Gegenstück: Funk so roh und selbstbewusst, dass die Plattenindustrie der Siebziger schlicht nicht wusste, was sie damit anfangen sollte. They Say I’m Different ist heute eine gesuchte Rarität. Und Minnie Riperton mit Perfect Angel ist für die Abende, an denen man einfach nur dasitzen und zuhören will.

Punk, Post-Punk und Indie: laut, leise und dazwischen

Wenn Soul das Fundament ist, dann ist Punk die Tür, die jemand aufgetreten hat. Und meistens war das jemand mit langen Haaren, einem selbstgenähten T-Shirt und der festen Überzeugung, dass Musik kein Eintritttest ist. Klingt bekannt, oder?

Die Punkbewegung der späten Siebziger war einer der wenigen Momente in der Musikgeschichte, in dem Können ausdrücklich optional war. Was zählte, war Haltung. Und FLINTA Künstlerinnen hatten davon reichlich.

Patti Smith ist der Anfang jeder ernsthaften Auseinandersetzung mit diesem Kapitel. Horses von 1975 ist eine jener Platten, die das Wort “Ikone” verdient hat, ohne dass es sich abgenutzt anfühlt. Die Erstpressung ist schwer zu finden und entsprechend begehrt. Aber auch eine spätere Pressung klingt auf einem guten Plattenspieler so, als würde sie direkt mit dir reden.

The Slits haben Punk genommen und daraus etwas völlig Eigenes gemacht. Cut von 1979 klingt auch heute noch wie nichts anderes. Dub, Funk, Punk, irgendwie alles gleichzeitig und trotzdem komplett kohärent. Eine der am meisten unterschätzten Platten dieser ganzen Ära.

Von Punk zu Post-Punk: dunkler, eleganter, tiefer

Dann der Übergang zu Post-Punk, wo die Dinge langsamer, dunkler und gleichzeitig irgendwie eleganter wurden. Siouxsie and the Banshees haben diese Ästhetik vielleicht am konsequentesten durchgezogen. Juju von 1981 ist der Einstieg, aber wer einmal drin ist, gräbt sich durch die ganze Diskographie. Das ist die Art von Band, bei der jede Platte eine andere Seite aufdeckt.

Cocteau Twins sind technisch gesehen eher Dream Pop als Post-Punk, aber sie gehören in dieses Kapitel weil sie beweisen, wo die Grenzen des Genres enden und wo etwas Neues anfängt. Heaven or Las Vegas von 1990 ist eine der schönsten Platten, die je aufgenommen wurden. Das ist keine Übertreibung. Das ist einfach wahr.

Im Indie der Neunziger und Zweitausender setzt sich das fort.

Sleater-Kinney aus Olympia, Washington, sind Pflichtprogramm. Dig Me Out von 1997 ist der Einstieg, The Woods von 2005 ist der Moment, in dem die Band alles nochmal größer gedacht hat. Beide gehören ins Regal, am besten nebeneinander.

PJ Harvey ist noch eine andere Geschichte. Kaum eine andere Künstlerin hat so konsequent jedes Album als kompletten Neuanfang behandelt. Von Dry bis Stories from the City, Stories from the Sea ist jede Platte ein eigenes Universum. Das macht das Sammeln gleichzeitig einfach und gefährlich, weil man nie wirklich aufhören kann.

Und dann gibt es noch die leiseren Momente in diesem Kapitel. Cat Power, deren Moon Pix von 1998 die Art von Album ist, das man an bestimmten Abenden einfach braucht. Keine große Geste, kein Spektakel. Nur eine Stimme und das Gefühl, dass jemand genau weiß, wie sich ein bestimmter Moment anfühlt.

Techno und Club Kultur

Berlin ohne Techno ist wie ein Plattenspieler ohne Nadel. Es geht irgendwie, aber es ergibt keinen Sinn. Was viele vergessen: Die elektronische Musik, die diese Stadt geprägt hat, wäre ohne FLINTA Künstlerinnen, Produzentinnen und DJs eine völlig andere Geschichte. Eine lautere vielleicht, aber eine ärmere definitiv. Aber wir schauen uns in diesem Artikel erstmal weit außerhalb der Stadtgrenzen von Berlin um.

Donna Summer ist der Ausgangspunkt, auch wenn sie selbst nie hinter einem Plattenteller stand. I Feel Love von 1977, produziert von Giorgio Moroder, ist der Moment, in dem elektronische Tanzmusik ihre eigene Sprache gefunden hat. Die zwölfzöllige Single ist ein absolutes Muss, und wer sie in einer Kiste findet, weiß was zu tun ist.

Chaka Khan bewegt sich zwischen Funk, Soul und einer Art elektrisiertem Pop, der in den frühen Achtzigern seinesgleichen suchte. Ain’t Nobody auf Vinyl hat eine Energie, die sich durch keinen Stream ersetzen lässt. Das ist eine jener Platten, bei denen man versteht, warum Menschen überhaupt anfangen, Vinyl zu sammeln.

Die Neunziger: Frauen hinter dem Plattenteller

Dann die Neunziger, und damit der Moment, in dem Frauen hinter dem Plattenteller sichtbarer wurden, auch wenn die Clubkultur das nicht immer so gesehen hat.

Björk lässt sich in kein Genre pressen, und das ist genau der Punkt. Homogenic von 1997 ist der Beweis, dass elektronische Musik und emotionale Tiefe kein Widerspruch sind. Eine Platte, die klingt als käme sie gleichzeitig aus der Zukunft und aus einem isländischen Vulkan. Wer sie noch nicht im Regal hat, weiß jetzt was als nächstes kommt.

Terre Thaemlitz (auch als Miss Take oder DJ Sprinkles bekannt), die in Berlin und Tokyo zuhause ist, steht für eine Art elektronischer Musik, die sich bewusst dem Mainstream entzieht. Ihre Arbeit als DJ und Produzentin ist tief verwurzelt in queerer Theorie und Club Kultur, und ihre Platten sind für alle, die tiefer graben wollen als der nächste Techno Release.

Und dann ist da noch Gudrun Gut, die in diesem Kontext nicht fehlen darf. Als Mitgründerin von Mania D und Malaria!, als Produzentin und als Gründerin von Monika Enterprise hat sie die elektronische und experimentelle Musikszene Berlins über Jahrzehnte mitgeprägt wie kaum jemand sonst. Monika Enterprise ist bis heute eines der wichtigsten unabhängigen Labels für Musik von Künstlerinnen in Europa, konsequent kuratiert, konsequent weiblich. Wer mehr über Gudrun Guts Geschichte und die Bands die sie geprägt haben wissen will, findet hier einen eigenen Artikel darüber.

Dein Regal, deine Geschichte

Das hier war kein vollständiger Überblick. Den gibt es nicht, und wir wären misstrauisch gegenüber jedem der behauptet, einen zu haben.

Es war ein Ausschnitt. Eine Handvoll Namen, eine Handvoll Platten aus unserer FLINTA Vinyl Welt, die bei uns immer wieder auf dem Teller landen. Und die Einladung, selbst weiterzugraben.

Denn das ist das Schöne an Vinyl: Es endet nie wirklich. Hinter jeder Platte steckt eine andere, hinter jeder Künstlerin eine Kollaboratorin, eine Zeitgenossin, eine Vorgängerin, die noch niemand so richtig entdeckt hat. Das ist kein Problem. Das ist der Antrieb. Und es gibt noch so viele Schätze, so viele Geheimtipps. Wir wollen ab und an welche für euch und mit euch lüften.

Wenn du Künstlerinnen kennst, die in deinem Regal unverzichtbar sind und hier fehlen, schreib uns. Ernsthaft. Wir lernen genauso gerne dazu wie wir weitergeben.

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Die Kiste gehört euch. Grabt tief!

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